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Deutsche Korruption weltweit

Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung

Berlin, 11 May 1997

Meine Anerkennung zu Ihrem ausgezeichneten Bericht über die internationale Debatte zur Kontrolle der Korruption (Absetzbare Schmiergelder, F.A.Z. vom 10. Mai). Dabei kommt insbesondere die Empörung über die erstaunliche steuerliche Absetzbarkeit von Bestechungszahlungen in Deutschland zum Ausdruck und die weltweite Hoffnung, daß es in den kommenden Wochen zu international abgestimmten Reformen kommt, an denen sich auch Deutschland beteiligen wird.

In diesem Bericht werden mir unter anderem zwei Bemerkungen zugeschrieben, die so nicht zutreffen. Wegen der Komplexität unserer Bemühungen um internationale Transparenz und der Zerbrechlichkeit der dazu notwendigen Koalitionen möchte ich diese Bemerkungen richtigstellen: Zunächst habe ich nicht gesagt, "Bonn handle nicht in gutem Glauben, wenn es das zeitraubende Konventions-Prozedere fordere". Von zahlreichen Gesprächen in den zuständigen Ministerien und Verbänden bin ich davon überzeugt, daß es dort sehr ernsthafte Bemühungen um eine Ächtung der internationalen Korruption gibt. Doch ich habe gesagt, daß bei vielen Beobachtern der Eindruck einer bewußten Verzögerungstaktik entstanden sei.

Meine zweite Bemerkung, die es klarzustellen gilt, bezog sich auf die deutsche Führungsrolle in der kleinen Verweigerungsgruppe bei der Umsetzung der OECD Empfehlungen, die vom Ministerrat der 29 Staaten im Mai 1996 einstimmig angenommen worden waren. Keineswegs halte ich Deutschland für den "Anführer... im internationalen Korruptionsgeschäft". Aus meiner langjährigen Erfahrung bei der Weltbank bei Planung und Ausschreibungen für Großprojekte weiß ich, daß Anbieter aus anderen Ländern mindestens ebenso aggressiv akquirieren -- mit oder ohne Duldung oder gar Unterstützung ihrer Heimat-Regierungen. Auch bei jüngsten Arbeiten von Transparency International, insbesondere in der Rangliste, die wir jährlich als TI-Corruption Perceptions Index veröffentlichen, schneidet Deutschland nicht als schlechtester ab. Aber unser internationaler Ruf ist zunehmend gefährdet.

Peter Eigen, Vorsitzender, Transparency International


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